Wasserfilter für Bangladesch
MSUK hilft ärmsten Familien in Madaripur
Ein Reisebericht

Armut und Katastrophen überschatten Madaripur
Professor Barkat und Dr. Munir möchten uns ein Projekt in Madaripur zeigen. MSUK wird hier von der Lichtbrücke unterstützt. Madaripur ist eine der 6 ärmsten Regionen in Bangladesch. Die Menschen, die hier leben müssen, haben nicht nur unter Hunger und großer Armut zu leiden, nein, als sei dies noch nicht genug, müssen sie auch noch gegen Katastrophen wie den Zyklon AILA, den Wirbelsturm SIDR, Fluten, arsenvergiftetes Trinkwasser und versalzene Böden, die jede Ernte vernichten, ankämpfen. Aufgrund des Klimawandels sind diese Katastrophen ein immer häufiger werdendes Phänomen. Dabei können diese Menschen kein bisschen was dafür. Die Verantwortlichen, das sind wir. Wohin sollen die Menschen auch gehen? In einem Land, wo 160 Millionen Menschen auf einer Fläche doppelt so groß wie Bayern leben, ist nirgends mehr Platz. Die Menschen in Madaripur haben keine Wahl, sie müssen in dieser elendigen Situation leben.

Partnerschaft gegen Armut
Mit der Unterstützung aus Deutschland hilft MSUK den Menschen in Madaripur. Sono-Wasserfilter werden verteilt, Gesundheitsdienste angeboten und das Bewusstsein der Menschen für ein gesundes Leben gestärkt. Die Vergiftung des Trinkwassers durch Arsen ist eines der größten Katastrophen und hat natürliche Ursprünge. Insgesamt kann MSUK 9.600 Familien in 261 Dörfern helfen. Das sind über 57.600 Menschen (pro Familie ca. 6 Personen). Durch die vorbeugenden Maßnahmen wird Arsenikosis verhindert, so dass die ökonomische Situation der ärmsten Familien sich durch Krankheit nicht noch weiter verschlechtert. MSUK leistet so einen entscheidenden Beitrag zur Armutsbekämpfung in der Region.

Die Lichtbrücke ist vor Ort
Mit dem Minibus geht es am 26. Januar 2010 Richtung Madaripur. Fünf bis sechs Kilometer vom MSUK-Regionalbüro entfernt halten wir an. Wir folgen Dr. Munir auf einem Trampelpfad hinunter. Die Menschenmenge am Rande des Pfads weist den Weg. Neugierig werden wir bestaunt. Wir steuern direkt auf ein Schild zu: „Mother-Club“. Zwei Frauen tauchen aus der Menge auf und hängen uns Blumengirlanden um. Der Empfang ist freundlich und herzlich. Wir werden in eine kleine Hütte gebeten. 30 Frauen sitzen eng gedrängt auf dem Boden. Eine fürsorgliche Sozialarbeiterin unterrichtet in Gesundheits- und Ernährungsfragen und zeigt wie man Arsenikosis erkennen und behandeln kann. Die Frauen zeigen uns ihre Hände. Einige haben schwarze Flecken, andere viele Pusteln, die Haut der Frauen fühlt sich rauh und hart an. Bei den Füssen bekommt man allein vom Hinschauen Schmerzen.

Mobiler Gesundheitsdienst
Kampf gegen Arsen – Gesundheitsdienste und Kulturgruppen
Auf einer kleinen Lichtung steht unter einem kleinen, bunten Stoffunterstand ein Tisch. Zwei Ärzte stehen dahinter, untersuchen Patienten und verschreiben Medikamente. Es ist der mobile Gesundheitsdienst von MSUK. Die Ärzte erzählen uns von der Notlage in denen hier viele Menschen leben, von Arsenvergiftungen, Krankheiten, mangelnder ärztlicher Betreuung und dringend benötigten Medikamenten. Bis aber die Menschen überhaupt hierher kommen, ist eine intensive Aufklärungsarbeit vorab notwendig. Dr. Munir zeigt uns daher die Kulturgruppe von MSUK. Die Mitarbeiter haben eine farbenfrohe Bühne aufgebaut. 500 bis 800 Menschen sind gekommen. Mit traditioneller Musik, Lieder und Tänzen wird den Menschen die Arsenproblematik nahegebracht. Ich bin erstaunt wie gut das funktioniert. Man hört kaum einen Mucks. Alle hören zu. Die Kulturgruppe ist ein hervorragendes Mittel, Informationen weiterzugeben. Ein toller Einsatz!

Familie mit Sono-Filter
Zakia ist überglücklich, sie wurde geheilt
Dr. Munir führt uns in ein kleines Dorf namens Gihatabehar. Die Hütten sind sehr einfach, einige haben bereits ein Wellblechdach, die meisten sind jedoch nur mit Schilf bedeckt. Bei Regen tropft es durch, im Winter ist es eisig kalt. Eine Frau kommt zögerlich auf uns zu. Dr. Munir spricht sie an. Sie heißt Zakia und ist 35 Jahre alt. Sie ist Mutter von 2 Töchtern und einem Sohn. Ihr Mann arbeitet als Rikschafahrer und verdient 100 Taka (ca. 1 Euro) am Tag. Sie erzählt uns, dass sie immer Wasser aus der Dorfpumpe geholt und getrunken haben. „Eines Tages haben wir auf den Händen meiner jüngsten Tochter kleine schwarze Flecken und Pusteln entdeckt. Ich habe mir zuerst nichts dabei gedacht. Doch dann haben mein Sohn und ich dieselben Flecken bekommen. Meiner Tochter ging es von da an immer schlechter. Sie klagte über Bauchschmerzen und Brustschmerzen. An einigen Tagen ging es ihr so schlecht, dass sie nicht mehr aufstehen konnte.“ Zakia weint, als sie mir von den Leiden ihrer Tochter erzählt, die Erinnerungen schmerzen sehr. Sie wischt sich die Tränen vom Gesicht und erzählt weiter. „Eines Tages kam ein Sozialarbeiter von MSUK in unser Dorf. Er erzählte uns von Arsen und dass unsere Leiden von dem verseuchten Brunnenwasser her kämen. Einige Tage später brachte er uns einen Sonofilter, baute ihn auf und erklärte uns wie wir ihn bedienen müssen.“ Zakia zieht mich in ihre Hütte. Drinnen ist es dunkel. Hier und da, fallen Lichtstrahlen durch die undichte Decke. Stolz zeigt sie mir ihren Filter, den sie mit vier weiteren Nachbarfamilien teilt. „Bei meiner Tochter war es sehr knapp. Die Ärzte von MSUK haben Arsenikosis zweiten Grades bei ihr festgestellt und eine Überlebenschance von 50 zu 50 prognostiziert. Ich hatte große Angst. Nachdem wir nur noch das gefilterte Wasser getrunken haben ging es ihr aber von Tag zu Tag besser.“ Zakia zeigt uns ihre Hände, heute sind keine Flecken und Pusteln mehr zu sehen.
Liebe Freundinnen und Freunde der Lichtbrücke,
schöne Grüße aus Bangladesch. Wir sind zur Zeit auf unserer jährlichen Reise durch dieses wunderschöne aber doch so bitterarme Land. Wir besuchen unsere bengalischen Partnerorganisationen, die über das ganze Land verstreut sind und schauen uns die Projekte an, um uns ein eigenes Bild von der Notlage der Menschen hier zu machen. Bengalische Behörden sprechen von 60 Millionen Menschen, die unter der absoluten Armutsgrenze leben. Das heißt, sie haben weniger als 1 US-Dollar täglich zum Überleben. Professor Barkat von unserer Partnerorganisation MSUK geht jedoch von einer viel höheren Zahl aus. Seiner Meinung nach leben ca. 100 Millionen Menschen in Bangladesch in absoluter Armut
Die Arbeit, die MSUK in Madaripur leistet hat mich zutiefst beeindruckt und überzeugt. Auch Zakia ist für die Hilfe die sie bekommen hat unendlich dankbar. Wir sollen unsere Freunde in Deutschland ganz herzlich von ihr grüßen und allen danken, die geholfen haben. Doch viele Menschen in Madaripur warten noch auf einen Filter und sind solange gezwungen verseuchtes Wasser zu trinken. Ein Filter kostet nur 30 Euro und rettet 25 bis 30 Menschen vor dem sicheren Tod. Helfen sie den Menschen von Madaripur, helfen sie Menschen wie Zakia, auch sie haben ein Recht auf Leben! Retten Sie Menschen vor dem sicheren Arsentod. Vielen Dank!
Mit herzlichem Gruß aus Bangladesch
Ihre Lichtbrücke e.V.
Ihr Stefan Tebogo Herr